
29 Nov. WELCHES PODCAST FORMAT PASST ZU MEINEM UNTERNEHMEN?
Jeder redet über Podcasts. Viele Unternehmen fühlen sich unter Druck, auch einen zu starten. Also setzt man sich ins Meeting, sammelt ein paar Themen, drückt auf Aufnahme und hofft, dass es schon irgendwie funktionieren wird. Genau das ist der Punkt, an dem die meisten Firmen ihren Unternehmenspodcast gegen die Wand fahren. Nicht wegen der Technik, nicht wegen der Stimmen, sondern wegen einer simplen Frage, die keiner sauber beantwortet hat:
Welches Podcast Format passt überhaupt zu meinem Unternehmen und zu meinen Zielen?
Wenn du das klärst, bevor du über Titelmusik, Cover oder Jingle nachdenkst, sparst du dir viel Geld, Nerven und peinliche Pilotfolgen, die niemand hören will.
Ich gehe mit dir strukturiert durch, wie du das passende Podcast Format für dein Unternehmen findest, welche Formate es gibt, wofür sie sich eignen und welche Fehler du dir sparen kannst.
Was bedeutet „Podcast Format“ eigentlich?
Mit „Format“ ist nicht nur gemeint, ob du Interviews führst oder frei in ein Mikro sprichst. Ein Format ist der Rahmen, in dem dein Podcast stattfindet. Es definiert:
- die Rollen
- die Erzählperspektive
- den Ablauf einer Folge
- die Tonalität
- die Erwartung deiner Zielgruppe
Ein gutes Format sorgt dafür, dass deine Hörer sofort wissen, woran sie sind. Ein schlechtes Format ist ein unklarer Mix aus „Wir probieren halt mal“ und „Alle machen Interviews, dann machen wir das auch“.
Formate geben dir Stabilität. Sie machen deine Produktion planbar, helfen bei der Themenfindung und entscheiden am Ende, ob dein Podcast nach drei Folgen einschläft oder sich langfristig etabliert.
Bevor du ein Format wählst: Die vier Grundfragen
Bevor du ein Format in Betracht ziehst, brauchst du klare Antworten auf diese Punkte:
1. Ziel: Was soll der Podcast für dein Unternehmen leisten
- Markenaufbau
- Thought Leadership
- Recruiting
- Lead Generierung
- Kundenbindung
- interne Kommunikation
2. Zielgruppe: Wer soll zuhören
- bestehende Kunden
- potenzielle Kunden
- Bewerber
- Partner
- eigene Mitarbeitende
3. Ressourcen:
- Wie viel Zeit, Budget und Personal stehen realistisch zur Verfügung
- Gibt es jemanden, der moderieren kann
- Hast du Zugriff auf Expertinnen und Experten
- Gibt es ein Kommunikations oder Marketingteam, das das Projekt trägt
4. Frequenz und Durchhaltevermögen
- Wöchentlicher Podcast ohne stabile Ressourcen ist Selbstsabotage. Lieber zweiwöchentlich oder monatlich, dafür konstant.
Erst wenn diese vier Punkte klar sind, macht es Sinn, über das Format zu sprechen. Alles andere ist Blindflug.
Die wichtigsten Podcast Formate für Unternehmen im Überblick
Im Unternehmenskontext haben sich einige Formate durchgesetzt, die sich sehr unterschiedlich anfühlen und völlig verschiedene Aufgaben erfüllen.
1. Interviewpodcast
Prinzip: Eine moderierende Person aus dem Unternehmen spricht mit wechselnden Gästen.
Typische Ziele:
- Thought Leadership
- Netzwerkaufbau
- Kunden und Partnerbeziehungen vertiefen
Stärken:
- Gäste bringen eigene Reichweite mit
- Du kannst Kompetenz über die Auswahl der Gäste zeigen
- Themen lassen sich flexibel an aktuelle Entwicklungen anpassen
Risiken:
- Austauschbar, wenn du nur das machst, was alle machen
- Hoher Abstimmungsaufwand mit Gästen
- Wenn der Host schwach ist, wirkt das gesamte Format schwach
Für dich geeignet, wenn:
Du ein beratungsintensives, erklärungsbedürftiges Business hast und stark von Netzwerken, Branchenkontakten und persönlichen Beziehungen lebst.
2. Co Hosting bzw. Expertengespräch aus dem Unternehmen
Prinzip: Zwei oder mehr Personen aus deinem Unternehmen sprechen miteinander und beleuchten ein Thema aus verschiedenen Blickwinkeln.
Typische Ziele:
- Einblicke in Fachwissen geben
- Team und Köpfe hinter der Marke sichtbar machen
- Kultur und Denkweise des Unternehmens zeigen
Stärken:
- Hohe Authentizität
- Du verkaufst nicht nur Produkte, sondern Denkweise
- Intern motivierend, weil Mitarbeitende sichtbar werden
Risiken:
- Wenn niemand im Unternehmen wirklich Lust auf Mikro hat, wird es zäh
- Interne Insider Gags können außenstehende Hörer ausschließen
Für dich geeignet, wenn:
Du starke Persönlichkeiten im Unternehmen hast, die fachlich und kommunikativ etwas zu sagen haben und das Format tragen können.
3. Solopodcast mit einer klaren Expertenstimme
Prinzip: Eine Person spricht allein, strukturiert und auf den Punkt, über Fachthemen, Trends, Best Practices.
Typische Ziele:
- Expertinnen oder Expertenmarke aufbauen
- Positionierung schärfen
- Klare, starke Meinungen transportieren
Stärken:
- Maximal fokussiert
- Unabhängig von Gastplanung
- Starke Identifikation mit einer Person
Risiken:
- Du brauchst eine Person, die fachlich stark ist und gleichzeitig gut sprechen kann
- Monologe ohne Struktur wirken schnell anstrengend
- Persönliche Ausfälle oder Wechsel der Person treffen das Format direkt
Für dich geeignet, wenn:
Du eine klare Frontfigur hast, die dein Unternehmen nach außen mit ihrer Expertise repräsentieren kann.
4. Storytelling und Reportageformat
Prinzip: Geschichten statt Gespräche. O Töne, Atmos, Musik, mehrere Sprecher, dramaturgisch aufgebaut.
Typische Ziele:
- Markenwelt emotional aufladen
- komplexe Themen über Geschichten vermitteln
- starke Employer Branding oder Imagekampagnen
Stärken:
- Hohe emotionale Wirkung
- Sehr hochwertig wahrgenommen
- Ideal für Kampagnen und Staffelformate
Risiken:
- Deutlich höherer Produktionsaufwand
- Braucht klares Konzept und erfahrene Produktion
- Nicht geeignet als „wir machen das jede Woche mal eben nebenbei“
Für dich geeignet, wenn:
Du bereit bist, in Qualität zu investieren, und deine Marke stark über Geschichten, Kundencases oder Unternehmensgeschichte erzählt werden kann.
5. Magazin oder Newsformat
Prinzip: Mehrere kurze Rubriken in einer Folge, zum Beispiel News, Kurzinterview, Tipp der Woche, Blick hinter die Kulissen.
Typische Ziele:
- regelmäßiges Update zu einem Themengebiet
- Communitypflege
- Positionierung als Informationsquelle
Stärken:
- Viel Inhalt, der abwechslungsreich wirkt
- Möglichkeit, mehrere Stimmen einzubauen
- Gut kombinierbar mit vorhandenen Inhalten, etwa Blog, Newsletter, Social Media
Risiken:
- Redaktioneller Aufwand ist hoch
- Gefahr der Überfrachtung, wenn alles gleich wichtig wirkt
Für dich geeignet, wenn:
Dein Unternehmen viele Inhalte produziert, regelmäßig News hat und du ohnehin redaktionell arbeitest.
6. Q und A und Communityformat
Prinzip: Hörer stellen Fragen, das Unternehmen beantwortet sie im Podcast.
Typische Ziele:
- Kundenbindung
- Support entlasten
- Produkte und Services erklären
Stärken:
- Themen kommen direkt aus der Zielgruppe
- Hoher Nutzwert, klare Antworten auf echte Probleme
- Sehr gut geeignet, um Einwände im Sales Prozess abzufangen
Risiken:
- Du benötigst eine ausreichend aktive Community
- Ohne Fragen kein Content
- Gefahr, dass es zu technisch oder zu kleinteilig wird
Für dich geeignet, wenn:
Du einen aktiven Kundenstamm, eine Community oder viele wiederkehrende Fragen hast, die du gebündelt beantworten willst.
7. Interner Podcast für Mitarbeitende
Prinzip: Podcast nur für interne Zwecke, zum Beispiel über ein Intranet oder geschützte Feeds verteilt.
Typische Ziele:
- interne Kommunikation
- Kultur und Strategie erklären
- Führung erlebbar machen
Stärken:
- Sehr direkt, nahbar, schneller als interne Mails oder PDFs
- Ideal für verteilte Teams, Außendienst, Schichtbetrieb
- Gute Möglichkeit, Führungskräfte zu positionieren
Risiken:
- Wird oft unterschätzt und halbherzig gemacht
- Datenschutz und Zugangssteuerung müssen sauber gelöst sein
- Interne Themen sind nach außen meist völlig uninteressant
Für dich geeignet, wenn:
interne Abstimmung, Kultur und Veränderungsprozesse bei dir eine große Rolle spielen.
Welches Podcast Format passt zu welchen Unternehmenszielen
Jetzt wird es konkret. Du wählst nicht „das Format, das dir gefällt“, sondern das Format, das zu deinem Ziel passt.
Ziel: Thought Leadership und Markenpositionierung
Du willst als führende Stimme in deinem Themenfeld wahrgenommen werden.
Gut geeignete Formate:
- Solopodcast mit klarer Expertenstimme
- Interviewpodcast mit relevanten Branchenstimmen
- Co Hosting mit Führungskräften oder Fachexperten
Wichtig: Klare Kante. Kein weichgespültes PR Gelaber, sondern echte Haltung, Erfahrungswissen und klare Aussagen.
Ziel: Recruiting und Employer Branding
Du willst als Arbeitgeber attraktiv wirken und Menschen anziehen, die zur Kultur passen.
Gut geeignete Formate:
- Co Hosting mit Mitarbeitenden, die aus ihrem Alltag erzählen
- Storytelling mit realen Geschichten aus dem Unternehmen
- internes Format, das später teilweise nach außen geöffnet wird
Wichtig: Authentizität. Nur die schönen Seiten zeigen funktioniert nicht. Es geht darum, realistisch zu zeigen, wie ihr arbeitet, denkt, führt.
Ziel: Vertrieb, Leads, Neukunden
Du willst, dass der Podcast konkret beim Verkauf hilft oder den Vertriebsprozess verkürzt.
Gut geeignete Formate:
- Q und A Format zu wiederkehrenden Kundenfragen
- Expertenformat, das typische Probleme aus Kundensicht aufgreift
- Interviewformat mit Kunden, die von ihren Projekten erzählen
Wichtig: Dein Podcast ist keine Dauerwerbesendung. Er löst Probleme und positioniert dein Unternehmen als logischen Partner, nicht als penetranten Verkäufer.
Ziel: Kundenbindung und Onboarding
Du willst bestehende Kunden besser abholen, ihnen Updates geben, ihnen helfen, mehr aus euren Produkten oder Services zu holen.
Gut geeignete Formate:
- Tutorial und Erklärformat in Audioversion
- Q und A und Best Practice Folgen
- kurzformatige Updates und Tipps
Wichtig: Klare Struktur, gut durchsuchbare Folgen, klare Titel. Niemand hört fünfzehn Minuten Herumgerede, um einen Tipp zu bekommen.
Ziel: interne Kommunikation und Change
Du willst Transformation, Strategiewechsel oder Kulturthemen intern begleiten.
Gut geeignete Formate:
- internes Führungspodcast Format
- Gesprächsreihen mit verschiedenen Bereichen
- Mitarbeitendenstories
Wichtig: Transparenz und Mut. Wenn alles nach Script und PR klingt, erreicht es genau die Leute nicht, die du eigentlich mitnehmen willst.
Entscheidungslogik: In drei Schritten zum passenden Format
Du brauchst keine Excel Matrix mit zwanzig Kriterien. Halte es pragmatisch und konsequent.
Schritt 1: Ziel hart festlegen
Ein Hauptziel. Nicht „ein bisschen HR, ein bisschen Sales und ein bisschen Image“. Entscheide dich.
Schritt 2: Ressourcen ehrlich einschätzen
Wer moderiert, wer kümmert sich um Redaktion und wer hält das Projekt in der Hand. Wenn du niemanden hast, der reden kann, ist ein Solopodcast sinnlos. Wenn du niemanden hast, der redaktionell denkt, ist ein Magazinformat riskant.
Schritt 3: Format wählen, das zu Ziel und Ressourcen passt
Beispiele:
- Du hast eine starke Fachperson, aber wenig Zeit und kein großes Team, dann Solopodcast, 15 bis 20 Minuten, zweiwöchentlich.
- Du hast ein kommunikatives Team und viele Kontakte, dann Interview oder Co Hosting Format.
- Du planst eine Kampagne oder ein spezielles Thema, dann Storytelling oder Staffelformat mit begrenzter Episodenanzahl.
Produktionsrealität: Was dein Format in der Praxis bedeutet
Viele Unternehmen unterschätzen, was ein Format operativ auslöst.
- Interviewformat bedeutet Terminplanung, Gastrecherche, Briefing, Freigaben.
- Storytelling bedeutet Skripte, Aufnahmen an mehreren Orten, Schnitt mit komplexerer Dramaturgie.
- Solopodcast bedeutet Vorbereitung, klares Skript oder Outline, Disziplin bei der Aufnahme.
- Magazinformat bedeutet redaktionelle Planung, mehrere Beiträge pro Folge und oft mehrere beteiligte Personen.
Wenn du das ignorierst, wird dein Podcast zum Stressfaktor. Wenn du es realistisch einplanst, wird er zum stabilen Kommunikationsinstrument.
Häufige Fehler bei der Formatwahl
Ein paar Klassiker, die du vermeiden solltest.
1. „Wir machen einfach mal ein Interviewformat, wie alle“
Ohne Differenzierung, klare Position oder besondere Perspektive gehst du unter.
2. Format und Ziel passen nicht zusammen
Recruiting Ziel, aber ausschließlich Kundeninterviews.
Vertrieb als Ziel, aber nur interne Kulturthemen.
3. Zu komplexes Format für zu wenig Ressourcen
Magazin, Reportage, mehrere Rubriken, aber kein Team, das das stemmen kann.
4. Kein Format, nur „wir reden über Themen“
Das wirkt intern vielleicht sympathisch, nach außen ist es austauschbar und wahllos.
5. Alle paar Folgen das Format umbauen
Heute Interview, nächste Woche Solo, dann drei Monate Pause. So baust du keine Hörergewohnheit auf.
Dein Podcast braucht ein klares Versprechen, kein Baukasten ohne Plan!
Am Ende ist die Frage „Welches Podcast Format passt zu meinem Unternehmen“ nichts Abstraktes. Es ist die Frage nach deinem Ziel, deiner Haltung und deinem Realitätssinn.
- Hast du ein klares Ziel
- Kennst du deine Zielgruppe
- Weißt du, welche Stimmen in deinem Unternehmen tragen können
- Bist du ehrlich zu dir, was Ressourcen angeht
Wenn du diese Punkte beantwortest, reduziert sich die Zahl der sinnvollen Formate automatisch. Du musst nicht alles machen, was theoretisch möglich ist. Du brauchst genau das eine Format, das dein Unternehmen inhaltlich, organisatorisch und strategisch durchhalten kann.
Dann wird der Podcast nicht zum Prestigeprojekt, das nach vier Folgen beerdigt wird, sondern zu einem verlässlichen Kanal, der deine Marke, deine Kommunikation und dein Business langfristig stärkt.

Tobias Katzenberger
Owner, Producer, Sound Designer, Advisor
Wenn du einen Podcast als ernsthaftes Kommunikations-Tool starten willst, melde dich. Ich berate dich gerne, wie du ihn technisch und strategisch sauber auf die Schiene setzt.

















































