Tonstudio Mannheim

WIE ICH ÜBER NACHT ZUM PODCAST MILLIARDÄR WURDE

Tonstudio Mannheim | Maison Derrière

WIE ICH ÜBER NACHT ZUM PODCAST MILLIARDÄR WURDE

Vor einigen Tagen bin ich bei Google auf einen Artikel gestoßen. Über mich. Nie freigegeben. Von dem ich nichts wusste, zu dem es nie eine Anfrage gab. Mein Foto, meine Vita, mehrere sachliche Fehler. Das Bild hatte ich selbst aufgenommen. Es ist rechtlich mein Eigentum. Meine Urheberrechte. Ich wurde freigestellt und auf einen anderen Hintergrund gesetzt. Keine Anfrage. Keine Lizenz. Nichts.

Ich bin seit über zwanzig Jahren selbstständig. Produktionen für Radiosender, Firmen, Podcasts, Musik. Man baut sich über Jahrzehnte einen Namen auf. Projekt für Projekt. Und dann baut irgendein Bot daraus Artikel und postet den Kram auf Insta bis X inkl. Artikel auf der Webseite des Verursachers. Mit mir im Bild, mit meinem Namen daneben und knallharter Falschaussagen.

Der Scheiss ging an meine Anwälte. Gute Jungs aus Berlin. Arts & Entertainment Law. Die juristische Bewertung ist offensichtlich und eindeutig: Urheberrecht verletzt, Recht am eigenen Bild verletzt, Falschdarstellung. Soweit klar.

Das Impressum führt nach England. Eine Firma, die so nicht wirklich existiert. Eine Adresse, an der mehrere Firmen gemeldet sind. Eine Gmail-Adresse als Kontakt. Klassische Briefkastenstruktur.

Die juristische Empfehlung ist klar und zugleich frustrierend: Löschaufforderung schicken. Unterlassung verlangen. Google kontaktieren. Schadensersatz kannst du fast vergessen.

Nicht weil das Recht fehlt. Sondern weil du jemanden brauchst, den du greifen kannst.

Das ist die Realität hinter vielen dieser Seiten.

 

Das Geschäftsmodell dahinter

 

Diese Seiten schreiben keine Artikel aus Interesse an den Personen oder Inhalten. Sie bauen sie aus SEO-Logik.

Crawler ziehen Daten aus LinkedIn, Websites, Credits, Interviews. Daraus entsteht eine Biografie. Der Text muss nicht stimmen. Er muss nur Keywords enthalten.

Je mehr Artikel, desto mehr Traffic. Je mehr Traffic, desto mehr Werbeeinnahmen.

Du bist nicht Person. Du bist Content und Keywordlieferant.

Gerade wenn du sichtbar bist. Studioinhaber, Sound Designer, Produzent, Unternehmer… Wer eine Spur im Netz hinterlässt, wird eingesammelt.

 

Recht haben reicht nicht

 

Man stellt sich das einfach vor. Anwalt schreibt Brief. Seite verschwindet. Schadensersatz fließt.

So funktioniert es selten.

Wenn der Betreiber in einem anderen Land sitzt oder hinter einer Briefkastenfirma, wird jede juristische Maßnahme kompliziert und teuer. Selbst wenn du gewinnst, ist am Ende nichts zu holen. Man muss nicht nur Recht haben und es bekommen, sondern man muss es sich auch leisten wollen und können…

 

Und richtig interessant wird es dann an einer anderen Stelle.

Ich will natürlich darüber hier im Blog schreiben. Dokumentieren, was passiert ist. Screenshot zeigen. Öffentlich machen, wie solche Artikel entstehen.

Und genau hier beginnt das Paradoxon.

Tobias-Katzenberger-Screenshots

Anonymisierter und gekürzter Ausschnitt einer Auswahl der Veröffentlichungen aus Januar 2026. Nutzung ausschließlich zur juristischen Einordnung des Sachverhalts.

Die Ausgangslage

 

Eine Plattform klaut mein Foto ohne Erlaubnis und bearbeitet es.

Packt einen schlechten, faktisch falschen und zusammengebotteten Text drunter und teilt es dann auf Insta bis X…

Nach anwaltlicher Prüfung liegt eine klare Rechtsverletzung vor.

Gleichzeitig ist die Plattform schwer greifbar. Briefkastenstruktur im Ausland, unklare Verantwortlichkeiten, wirtschaftlich vermutlich dünn aufgestellt. Durchsetzung ist möglich, aber mit Aufwand, Unsicherheit und begrenztem realistischem Ertrag verbunden.

Das ist kein Einzelfall, sondern ein strukturelles Muster!

 

Solche Seiten arbeiten datengetrieben.

Öffentliche Informationen werden automatisiert eingesammelt.
Biografien werden aggregiert oder neu formuliert.
Bilder werden übernommen.
Artikel werden SEO-optimiert.

Ziel ist Sichtbarkeit in Suchmaschinen. Nicht Korrektheit.

Das Modell funktioniert, weil öffentliche Daten frei zugänglich sind und weil Durchsetzung individueller Rechte aufwendig ist. Der wirtschaftliche Anreiz liegt auf Seiten der Betreiber.

 

Die juristische Asymmetrie

 

Nun zum eigentlichen Kern.

Wenn ich über diesen Vorfall schreibe und einen Screenshot der Plattform zeige, betrete ich selbst rechtliches Terrain.

Warum?

Weil ein Screenshot nicht nur mein Foto enthält, sondern auch:

– evtl. das Layout der Seite

– evtl. das Logo

– evtl. Textbestandteile

– möglicherweise geschützte Gestaltungselemente

Auch das kann urheberrechtlich geschützt sein.

 

Das bedeutet:
Während eine schwer greifbare Plattform mein Bild klaut, bearbeitet und veröffentlicht ohne jemals nach Erlaubnis gefragt zu haben und dazu noch die Halbwahrheit dazu textet, muss ich als klar identifizierbarer Betreiber mit Impressum, Adresse und wirtschaftlicher Substanz sehr genau darauf achten, wie ich darüber berichte.

Das ist die Paradoxie. Du wirst beklaut und wenn du es ansprichst, musst du darauf achten dem Dieb nichts Unrechtes zu tun. Eigentlich zu kotzen.

Der faktische Rechtsbruch ist klar.
Die praktische Angreifbarkeit verteilt sich jedoch asymmetrisch.

 

Zitatrecht als Grenze

 

Wenn ich einen Screenshot verwende, darf ich das nur im Rahmen des Zitatrechts.

Voraussetzungen sind:

– Der Screenshot dient als Beleg einer inhaltlichen Auseinandersetzung.

– Er wird nicht dekorativ oder werblich eingesetzt.

– Er wird nur in dem Umfang gezeigt, der für die Analyse erforderlich ist.

 

Das bedeutet konkret:

– Ich darf dokumentieren.
– Ich darf analysieren.
– Ich darf belegen.

Ich darf jedoch nicht einfach die komplette Seite großflächig reproduzieren, auch wenn sie zuvor mein Werk unzulässig genutzt hat.

 

Die strukturelle Schieflage

 

Hier zeigt sich ein systemisches Problem digitaler Öffentlichkeit.

1. Content-Farms arbeiten skalierbar.
2. Rechtsdurchsetzung ist individuell.

Ein Betreiber mit Briefkastenstruktur kann tausende Artikel mit geklauten Bildern und Falschbehauptungen veröffentlichen.
Jede betroffene Person muss einzeln reagieren.

Gleichzeitig sind seriöse Unternehmen mit Impressum und Adresse vollständig greifbar. Sie tragen ein höheres faktisches Risiko, selbst wenn sie im Recht sind.

Das ist keine moralische Bewertung, sondern eine funktionale Beobachtung.

 

Reputationsökonomie

 

Für ein Studio oder eine mediennahe Tätigkeit ist Reputation zentral.
Kunden prüfen online. Entscheidungen fallen oft vor dem ersten Gespräch.

Falsche oder verfremdete Artikel können Vertrauen untergraben, ohne dass der Schaden direkt messbar ist.

Das Risiko liegt nicht in einem einzelnen Screenshot.
Es liegt in der Verschiebung von Deutungshoheit.

 

Strategische Konsequenzen

 

Die juristische Empfehlung ist nüchtern:

– Löschaufforderung senden

– Unterlassung verlangen

– Suchmaschinen kontaktieren

– Infrastruktur adressieren

Schadensersatz ist in solchen Konstellationen oft theoretisch möglich, praktisch jedoch schwer durchsetzbar.

Gleichzeitig bedeutet das für mich:
Wenn ich öffentlich darüber schreibe, muss ich präziser und sauberer arbeiten als die Plattform, die mein Bild geklaut hat.

 

Prävention statt Empörung

 

Aus der Analyse ergeben sich drei realistische Handlungsfelder:

1. Eigene Inhalte stärken
Klare About-Seite, strukturierte Daten, konsistente Referenzen.

2. Monitoring betreiben
Regelmäßige Überprüfung des eigenen Namens in Suchmaschinen.

3. Juristisch sauber dokumentieren
Belege sichern, aber nur in dem Umfang veröffentlichen, der durch das Zitatrecht gedeckt ist.

Die nachhaltigste Strategie liegt in der Stabilisierung der eigenen digitalen Identität.

 

Der Fall zeigt ein strukturelles Paradox digitaler Öffentlichkeit:

Eine schwer greifbare Plattform kann mein Foto klauen, bearbeiten, falsche Fakten dazuschreiben und veröffentlichen. Und es passiert ihnen nichts.

Rechtlich ist die Situation eindeutig.
Praktisch ist sie asymmetrisch.

Wer heute mit seinem Namen arbeitet, bewegt sich in einem Raum, in dem Sichtbarkeit wirtschaftlich verwertet wird und Rechtsdurchsetzung selektiv wirksam ist.

Die Konsequenz daraus ist nicht Rückzug, sondern Präzision.

Digitale Identität ist kein Nebenschauplatz mehr.
Sie ist Teil unternehmerischer Verantwortung.

Das Maison Derrière Studio ist ein deutsches Tonstudio in Mannheim. Der Tonstudio-Blog behandelt Musikproduktion, Studioprozesse, Mindset, Podcast-Produktion und die Realität der Medienbranche, jenseits von reinem Gear-Talk.

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